Hallo zusammen und ein fröhliches Neues Jahr!
Ja, es gibt uns noch und wir erfreuen uns auch alle zusammen guter
Gesundheit, sowohl Indu als auch Abba und ich.
Jetzt ist Indu schon 3 Jahre hier und, man mag es kaum glauben, er
hat seine Wurzeln wieder entdeckt! Sowohl die grundlegende
Erkenntnis, das er ein Hund ist (ausser in der Sofabenutzung, das er
nur unter Protest verlässt, solange wir zu Hause sind) als auch die
Erinnerung daran, dass sich Podencos unter seinen Vorfahren befinden
(womit wir unter anderem wieder beim Sofa wären ...). Er läuft nach
Möglichkeit jeden Tag frei, wobei er wirklich gut hört und sich (für
seine Verhältnisse) nicht anders verhält als Hunde, die hier
aufgewachsen sind. Das heisst, er läuft nicht allzu weit weg, er
guckt, wo ich bin und vergewissert sich bei den meisten Sachen, ob
sein Verhalten o.k. ist. Soweit also die Erinnerung an den Hund.
Sollten jetzt Umstände auftauchen, in denen er der festen Überzeugung
ist, das ich als Mensch aber auch überhaupt keine Ahnung von der
Bedeutung dieser Situation habe (und vermutlich auch nie haben
werde), kommt das Podencoerbe durch. Er macht dann eben, was er will
und ist eigentlich durch nichts davon zu überzeugen, das die
Situation auch anders aufgelöst werden könnte. Die einzigen beiden
Hilfsmittel sind Flucht meinerseits oder Schmackos. Wobei gutes Essen
immer noch am Besten funktioniert.
Mittlerweile sind ihm die Parksituationen mit 10 Hunden und fast eben
so vielen Hundehalter/inne/n auch nicht mehr ganz unheimlich - nur
anfassen lässt er sich nur von Leuten, die sich ganz viel Zeit mit
ihm nehmen. Aber diese unheimliche Angst vor Fremden macht ihm nicht
mehr so zu schaffen. Vor einigen Tagen kamen wir bei einem
Spaziergang an einem Fahrradgitter vorbei, das von einer
Fußgängergruppe blockiert war. Das Fahrradgitter ist eine
Vorrichtung, die im Münsterland ungefähr alle 30 Meter auftaucht - 2
verschränkt zueinander stehende Metallgitter, die Fahrradfahrer dazu
zwingen soll, entweder langsam zu fahren oder abzusteigen. Da die
Dinger offensichtlich zu Trainingszwecken aber überall stehen, kommen
die meisten Leute mittlerweile sogar mit ihren Anhängern gut durch.
Ich selber fahre auch mit beiden Hunden am Fahrrad durch ohne
abzusteigen - was den Effekt hat, das sie beide, sobald so ein Ding
auftaucht, brav den vorgeschriebenen Weg nehmen, obwohl sie ohne
Leine bequem drunterher kämen. Indu lief ca. 20 Meter vor mir und
wurde nur ganz wenig unsicher, guckte sich auch nur einmal
hilfesuchend um und entschied dann, dass er auch alleine an diesen
Menschen vorbeilaufen kann. In nur 30 cm Abstand! Ich glaube, weder
er noch die Leute haben verstanden, warum ich laut lobend hinter ihm
her kam. Aber er hat sich wenigstens über die Schmackos gefreut...
Auch Silvester war dieses Jahr nicht ganz so schlimm. Am 29. Dezember
(Start des Böllerverkaufs) bin ich extra ganz früh mit den beiden an
den Kanal gegangen, um der
Mann-wir-haben-so-viele-Böller-warum-bis-Silvester-warten-Knallerei
zu entgehen und es hat uns doch erwischt. Leicht verfroren waren wir
auf dem Nachhauseweg am Kanal entlang, als ein pickeliger
Jugendlicher (sogar mit Hund dabei) ausprobieren musste, ob ein
Böller unter einer Brücke noch besser kommt. Leider waren wir nur 50
Meter entfernt. Natürlich hat sich Indu erschrocken, natürlich ist er
losgerannt, natürlich ist mein Herz fast stehengeblieben, als ich
fast genau so laut wie der Böller "Halt" geschrien habe. Aber das "t"
von Halt war noch nicht über meine Lippen, als er sich schon wieder
gefangen hatte und, zitternd und vorwurfsvoll, zu mir zurückkam und
sich nach zwei Runden um mich herum hinsetzte und sich dann
stressfrei anleinen ließ. Ich persönlich habe das Gefühl, das wir
über das Gröbste hinaus sind, der alte Mann und ich. (Wobei es immer
noch viele Situationen gibt, in denen er sich unsicher fühlt und das
auch zeigt. Aber es werden immer weniger. Und er ist halt anders ...)
So langsam merkt man ihm nämlich an, das er einen Tag älter wird.
Obwohl er noch sehr fit ist, geht nicht mehr alles so schnell, er ist
schon sehr grau um die Schnauze herum, normale Wege dauern etwas
länger, alles noch im Rahmen, aber er gibt auch mal schneller auf,
wenn er mit Abba spielt.
Die ja das Gegenteil von Indu ist. Wo Indu zweifelt, hält sie drauf.
Ein Freund von mir charakterisiert es so: "Abba denkt, wo ich bin ist
vorne! Indu denkt: Geh du voran!". Aber dieses draufgängerische,
rotzblagige Verhalten tut Indu auch sehr gut. Er kann es nicht immer
wertschätzen, z. B. wenn sie seinen Sofaplatz belegt, aber er ist
doch froh, das sie da ist. Vergangenen November musste ich für ein
Wochenende weg und habe die Hunde nicht zusammen untergekriegt. Indu
war bei seinem normalen Hundesitter und Abba bei einem
Arbeitskollegen, der sie Montag morgen wieder mit zur Arbeit gebracht
hat. Als Indu dann Sonntag abend zurück zu mir kam, hat er die ganze
Wohnung abgesucht und war erst richtig zufrieden, als er sie wieder
gesehen hat. (Wenn er reden könnte, würde er das übrigens nie
zugeben.) Das Indu also jetzt so weit ist, wie ich persönlich es fast
nicht mehr zu hoffen gewagt habe, ist auch Abba's Verdienst - alleine
hätte ich das nicht geschafft.
Aber was mich freut, ist das auch ein Wesen wie Indu, wo ihr ja am
Anfang sogar etwas gezweifelt habt, ihn in die Vermittlung zu geben,
sich so 1a fangen kann und ein von Tag zu Tag stressfreieres Leben
geniessen kann. Coole Sache.
In diesem Sinne, bis spätestens nächstes Jahr um diese Zeit grüßen euch
Tom, Indu und Abba
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