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Immer
wieder wird man mit der Frage konfrontiert "Wie schaffst Du es mit
diesem täglichen Leid umzugehen"- "Wie kann man aus den
Perreras die Tiere rausholen, und andere zurücklassen", oder
"Wie kannst DU Dich von einem Tier, das Du gepflegt hast, wieder
trennen"?
Ich
möchte Ihnen dazu eine Geschichte erzählen, die mich heute noch
bewegt. So schrecklich dieser Fall auch ist, hat er mir letztendlich geholfen,
weiterzumachen:
Eine
kleine Geschichte aus Ibiza
Es
ist ca. 5 Jahre her, als wir einen Anruf aus der städtischen Auffangstation
Ibiza bekamen. Man möge sofort kommen, da wäre ein kleiner Hund,
der sicher einen Ausschlag auf dem Rücken hätte. Die Tierärztin,
Martina und ich, fuhren sofort los. Als wir den Kleinen sahen, waren wir
erst einmal schockiert, der Ausschlag auf dem Rücken entpuppte sich
als hochgradige Verbrennung, die teilweise insofern abgeheilt war, als
dass die Hälfte des Rückens schon abgetrocknet, die andere Hälfte
aus rohem eiternden Fleisch bestand. Uns wurde berichtet, daß die
Anwohner eines Mietshauses den Hundefänger angerufen hätten,
weil der Hund seit einigen Tagen im 3.Stock vor einer Wohnungstür
lag. Auch wenn man ihn vor die Haustür gesetzt hatte, fand er immer
wieder die Möglichkeit ins Haus zu schlüpfen und sich wieder
im 3.Stock zu postieren. Offensichtlich hatten die ursprünglichen
Hundebesitzer den Hund bei Freunden, die am ganz anderen Ende der Insel
wohnten, zurückgelassen. Er hatte sich also auf den Weg gemacht zu
seiner alten Wohnung und wartete dort treu auf seine Familie. Was ihm
auf seiner Suche passiert ist, können wir nur erahnen.
Wir
nahmen ihn also mit in die Tierklinik, wo er behandelt wurde und sich
auch langsam erholte. Er war trotz seiner schweren Verletzung fröhlich
und zutraulich. Aber wir hatten nicht mit seinem Dickkopf gerechnet, denn
nach 2 Tagen Aufenthalt in der Klinik hatte er es geschafft über
eine Mauer zu klettern, die für seine Größe eigentlich
zu hoch war, und war verschwunden. Uns war klar, daß er sich wieder
auf den Weg gemacht hatte, um seine Familie zu suchen.
Bis
wir den Hundefänger erreicht hatten, um die genaue Anschrift in Ibiza
zu erfahren, verging ein Tag. Mittlerweile hatten wir aber einen Anruf
vom Hausmeister des Hauses erhalten, der Hund sei wieder da und er hätte
ihn im Keller eingesperrt. Überglücklich setzten Martina und
ich uns ins Auto, um den kleinen Kerl wieder abzuholen. Man muß
sich das mal vorstellen, daß der Zwerg ca. 12 km über Stock
und Stein und Hauptstraßen gelaufen ist, um ein Haus mitten in der
Stadt wiederzufinden. Aufgeregt öffneten wir die Tür. Zusammengerollt
lag er in einer Ecke des dunklen Kellers. Auch heute noch kommen mir die
Tränen, denn er war tot.
Der
Hausmeister hatte nicht daran gedacht, daß im Keller Rattengift
ausgelegt war. Wir nahmen ihn ein letztes Mal in unsere Arme, saßen
mit ihm noch lange im Wagen und haben nur noch geweint. Später, über
einige Ecken, erfuhren wir auch seinen Namen: Er hieß RAMBO.
Viele
schreckliche Fälle, haben wir schon erlebt, dieser, oder die Summe
aller, hatte mich so sehr mitgenommen, daß ich kurz davor war, aufzugeben.
Ich wollte einfach nicht mehr nächtelang schlaflos im Bett liegen,
mir die Augen aus dem Kopf weinen, mich von liebgewonnenen Tieren trennen,
um Platz zu schaffen, immer wieder zum Hundefänger, wer hat eine
Chance, andere zurücklassen.
Die Kraft hatte mich verlassen und ich hatte immer wieder das Bild von
dem treuen Kerl im Kopf, wie er klein und verlassen in dieser dunklen
Ecke lag. So langsam wurde mir dann klar, daß gerade er mir helfen
wird, nicht aufzugeben
Denn
ich wollte weiter diesen armen, von uns Menschen doch so abhängigen
Wesen eine Chance geben. Dies hieß harte Arbeit an mir selbst und
das Zurückstellen eigener Gefühle. (DUO-Ibiza.de)
Ihre
Christiane Michel
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